Donnerstag, 24. Dezember 2015

Es weihnachtet sehr

« Petit papa Noel
Quand tu descendras du ciel
Avec des jouets par milliers
N'oublie pas mon petit soulier »

„Aber sonst geht’s noch?!“ Alena hat mein Zimmer gestürmt und schaut mich belustigt an. Ich bin gerade mitten in einer sagenhaften Gesangs- und Tanzeinlage und schmettere „Petit papa Noel“, doch ihr plötzlicher Eintritt irritiert mich dann doch. „Ich singe französische Weihnachtslieder“, erkläre ich geistreich das Offensichtliche. „Ich höre es!“ Sie hat schon ein hartes Los gezogen — so als meine direkte Zimmernachbarin. Alena lacht und ich falle mit ein.

Wir sind in Weihnachtsstimmung, aber das ist hier auch nicht zu vermeiden (trotz der sommerlichen Temperaturen). Die Residents freuen sich sehr auf Weihnachten und lassen einen nicht vergessen, dass man sich in der Adventszeit befindet. Beim Wecken schleudert mir ein Resident als erste Regung das Wort „fête“ entgegen, womit er die Frage nach der Weihnachtsfeier stellt. Danach folgen die Wörter „cadeau“ (Geschenk) und „sage“ (brav). Das Wort „cadeau“ hat ungefähr dieselbe Wirkung, wie wenn man in der Schule eine Packung Kaugummis herausholt: Massen stürzen sich auf einen und wollen auch eins.

Die größte Angst meiner Residents scheint die zu sein, bei der Bescherung leer auszugehen. Das wird natürlich nicht passieren, aber mit viel Vertrauen in der Hinsicht haben wir es nicht zu tun. Ständig fragt mich einer der Residents, ob man denn schon ein Geschenk für ihn besorgt hätte. Ausdauernd antworte ich fast jedes Mal dasselbe: Mach dir keine Sorgen, auch du wirst ein Geschenk bekommen.
Als dann der Tannenbaum aufgestellt wird, ist es endgültig mit der ruhigen Stimmung hin: Während einer Schicht werde ich viermal zum Tannenbaum gezerrt, um zu sagen, dass der Tannenbaum schön sei. Der Resident fängt dann an zu klatschen und summt dabei „Mon beau sapin“ (unser „Oh Tannenbaum“). Dieser Resident hat zwar schon Ende September angefangen Weihnachtslieder zu singen, doch mittlerweile stimmen andere mit ein — ein wunderschön lautes Durcheinander.

Für uns Educs ist die Weihnachtszeit mit mehr Stress verbunden, weil die Residents aufgeregter sind. Trotzdem arbeite ich sehr gerne und lasse mich von der Vorfreude meiner Gruppe anstecken — am liebsten beim „Bredele“ backen mit Hannah und ein kleiner Gruppe Residents.


Nach der Arbeit weihnachtet es dann weiter. Wir haben uns die Weihnachtsmärkte in Bad Bergzabern, Landau (beides auf der anderen Seite der Grenze), Haguenau, Strasbourg und natürlich Wissembourg angeschaut.

Bad Bergzabern hat mich nicht wirklich überzeigt. Der Weihnachtsmarkt ist sehr klein, wogegen ja nichts spricht (ich verkörpere ja auch das Motto „Klein, aber fein“), jedoch waren die Stände nicht wirklich schön und mehr als Bratwurst und Crêpes hatte Bad Bergzabern nicht zu bieten.

Landau war auf jeden Fall schöner, trotzdem ziehe ich die Weihnachtsmärkte auf französischer Seite vor.

Haguenau hat einen wunderschönen Marché de Noel. Wer Schmuck mag, findet hier auf jeden Fall was! Doch selbst wenn man nichts kaufen möchte, ist der Markt so atmosphärisch, dass er sich super zum Drüber-Schlendern eignet.

Der Weihnachtsmarkt in Strasbourg ist nicht umsonst so berühmt. Gerade die „Petite France“ hat es mir angetan und ich bin froh, dass wir uns doch entschieden haben, nach Strasbourg zu fahren.



Wissembourg ist mein Favorit. Ob ich da nicht ein bisschen parteiisch bin? Klar, aber der Weihnachtsmarkt ist wirklich ein Traum! Er ist sehr klein, hat aber trotzdem eine große Vielfalt an Ständen und die Leute, mit denen wir geredet haben, waren alle sehr freundlich. Außerdem sieht Wissembourg einfach wunderschön aus. Die Straßen werden durch Lichtinstallation  in Form von Sternschnuppen und Tannenbäumen beleuchtet und ein echter Tannenbaum schmückt den „Place de la République“.


Trotz der schönen Zeit freue ich mich total auf Zuhause und werde Weihnachten und Neujahr in Wuppertal verbringen. Vielleicht sieht man sich ja — ich freue mich auf euch! 


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