Montag, 7. Dezember 2015

Rencontre régionale: Bretagne

Die kalte Nachtluft bläst mir um die Ohren. Sie riecht nach Gelassenheit und Salz. Ich halte inne. Wasser läuft in meine Schuhe und meine Socken sind schon ganz durchnässt, doch das macht nichts. Ich bin am Meer. Endlich.

„Oh Bretagne, du gefällst mir!“, denke ich und bedaure es zugleich, dass ich hier nur drei Tage bleibe. Es ist das erste Zwischenseminar meines Freiwilligendienstes und da das Organisatorische fast abgehackt ist, geht es dieses Mal mehr darum, Frankreich bzw. die Bretagne zu entdecken.

Wir wohnen in St.-Pol-de-Léon in dem „Château de Kersaliou“, einem Schloss mit Meerblick. Doch viel Zeit verbringen wir dort nicht. Der ICE hat immer ein streng getaktetes Programm, das es zu einhalten gilt und dieses Mal ist mir das sogar recht, denn ich möchte in den drei Tagen so viel wie möglich sehen.



Am ersten Tag geht es nach Roscoff zu Algoplus. Algoplus ist ein Unternehmen, das Algen zu allem möglichen weiter verarbeitet, das geht vom Gewürz bis zum Duschgel. Meinen Geschmack trifft das nicht so ganz (weder das Gewürz, noch das Duschgel), aber es war trotzdem mal ganz interessant zu sehen, woraus der Mensch so alles seinen Nutzen zieht. Danach sind wir noch ein bisschen durch Roscoff gelaufen, haben das Meer bewundert und mit den Fingern auf alte Gebäude  gedeutet. „Regard!“

Wie man die Bretagne so kennt, hat sich die Sonne nicht blicken lassen, aber als Wuppertalerin bin ich das ja gewöhnt. Ich war noch nie im November am Meer, jetzt bereue ich das jedoch. Die Wucht, mit der die Wellen jetzt schlagen und der Wind bläst, ist eindrucksvoll. Eine ungeheure Kraft geht vom Meer aus und wenn man bedenkt, dass bei Ebbe und Flut diese riesigen Wassermengen durch den Mond bewegt werden, merkt man wie klein wir im Universum doch sind. Besonders auf der Schifffahrt zu der Insel „Ile de Batz“ bin ich am Staunen.


Neben dem allgemein bekannten Touri-Programm (Crêpes essen, Fotos machen, das Ende von Europa besuchen) hat natürlich noch die kulturelle und geschichtliche Weiterbildung auf uns gewartet. Wie auch schon in Niederbronn haben wir einen Militärfriedhof besucht. Das besondere dieses Mal war, dass ein Zeitzeuge uns von den Bombardierungen auf Brest im zweiten Weltkrieg erzählt hat. Sehr interessant, sehr grausam, sehr schwierig — gerade, wenn man sich überlegt, dass die eigenen Vorfahren vielleicht dafür verantwortlich waren.

Das Kulturprogramm hat einen starken Kontrast zu der nachdenklichen Atmosphäre auf dem Friedhof gesetzt. Bretonische Volkstänze — mag harmlos klingen, ist es aber nicht, zumindest nicht mit mir in der Nähe. Wer mit zwei linken Füßen geboren ist und das Talent besitzt, sich immer außerhalb des Taktes zu bewegen, stellt eine allgemeine Bedrohung für  alle Umstehenden dar. Et voilà, c’est moi!


Im Großen und Ganzen hat mir die Bretagne aber gut gefallen! Ich muss nur nicht gerade tanzend durch die Gegend spazieren… 


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