Montag, 21. März 2016

Paris, je t’aime — meistens zumindest

Paris, je t’aime. Naja, es geht so, denke ich, während ich mich gestresst durch die Menschenmasse quetsche. Gerade finde ich dich ein bisschen anstrengend. Meine Handtasche, in der sich Fotoapparat und Portemonnaie befinden, ist eng an meinen Körper gedrückt. Man kann mir die typische Angst, die über Touristen in solchen Vierteln einbricht, aus dem Gesicht ablesen: Bitte überfallt mich nicht! Paris mustert mich grinsend. Wer ist hier anstrengend?

Unser Hotel, das „f1 Paris Porte de Montmatre“, ist gerade noch so im 18. Arrondissement, also ganz am Rand von Paris. Es ist ein billiges Hotel und unser Viertel beweist erbarmungslos, dass Paris eben doch nicht nur aus Glanz und Magie besteht.

Jedem Morgen wenn wir das Hotel verlassen, wird mir das unweigerlich bewusst. Die Straße, die vom Hotel zur Metro führt, ist kaum begehbar. Zu unseren Füßen liegen Decken gespickt mit benutzten Kosmetika, alten Kleidungsstücken und Schuhen, die ihren dritten Besitzer suchen. Es sind Sachen, die bei uns wohl kaum einer noch kaufen würde, aber hier tummeln sich die Leute. Es ist laut und voll. Die Einheimischen scheinen zu wissen, wie man sich bewegen muss. Es gibt sowas wie einen Strom, den wir aber nicht folgen können.


Kurz ein- und ausatmen und dann kommt die Metro. Die Metro ist meiner Meinung ein Geniestreich. Sie ist einfach genial, schaut man sich diese unterirdische Vernetzung an, die es einen ermöglicht, fast überall hin zu gelangen. Allerdings hat auch sie, wie die meisten genialen Dinge, ihre Nebenwirkungen. Da wäre zum Beispiel das fehlende Tageslicht, das mich schon leicht depressiv stimmt (ja, wie bei jeder U-Bahn). Hinzu kommt, dass kaum einer redet — ich bin für jeden Straßenmusiker in der Metro dankbar, der diese Stille erstickt.
 Alles wirkt total distanziert, so als wäre man der Einzige in der Metro. Das ist man  aber sicher nicht, das ist spürbar. Paradoxerweise hat man nämlich unheimlich viel Körperkontakt mit Fremden. Ich habe bestimmt mit fünf Leuten Händchen gehalten, da wir uns einen Platz an der Haltestange geteilt haben.
Doch eine Metro scheint voll zu gehören und auch wenn die Metros innerhalb kurzer Zeit hintereinander kommen, wird man lieber zwischen den Türen eingeklemmt, als auf die nächste zu warten. Mich versetzt schon das Zuschauen in Schweißzustände, für die Parisienne ist es wohl alltäglich. Die Türen werden von den innen stehenden Passagieren auseinander gezogen und die Metro fährt mit kurzer Verzögerung weiter.
 Beim Verlassen der Metro stehen wir dann vor dem nächsten Problem. Wie komme man hier wieder raus? Wer einen Platz in der Metro ergattert hat, gibt ihn so leicht nicht wieder her. Die Leute sind zu Salzsäuren erstarrt. Jedes „Pardon“ oder „Excusez-moi“ unsererseits wird gekonnt ignoriert. Eine Flucht ist  nur mit viel Willens- und Körperstärke möglich, da Zauberwort heißt „Teckeln“.


Natürlich geht es zum Tour Eiffel — man kann ja gar  nicht nach Paris, ohne dem Tour Eiffel einen Besuch abzustatten. Nach den ersten drei Metern außerhalb der Metrostation bekommen wir circa 200-mal die Miniaturausgabe des Wahrzeichens angeboten, nach fünf Metern spreche wir unser „Non, merci“ bereits im Chor. Der echte Eiffelturm ist einfach beeindruckender, als die Schlüsselanhänger, die die Straßenhändler anbieten. Besonders bei Nacht ist der Anblick magisch.

Nächster Halt ist das Louvre. Sehr groß, sehr viele Impressionen, sehr anstrengend. Ich kann jedem nur empfehlen, für das Louvre viel Zeit einzuplanen. Es ist nun mal ein sehr umfangreiches Museum, das viel Konzentration beansprucht und für mich ist das am Ende zu viel. Besonders beeindruckt bin ich  von den Appartements von Napoleon, die an Dekadenz nicht zu überbieten sind. Um die Mona Lisa stehen natürlich Massen, die meisten versuchen, ein Selfie mit der Mona Lisa zu machen — als Außenstehender ist das sehr amüsant, anzusehen.

Montparnasse gefällt mir am meisten. Das Künstlerviertel beim Sacre Coeur ist wunderschön atmosphärisch. Und auch wenn wir kein Portrait von uns zeichnen lassen, bestaunen wir das ein oder andere Bild.

Allgemein laufe ich durch Paris mit großen Augen, denn die Architektur der Häuser hier hat es mir angetan. Sie ist imposant, aber ohne übertrieben zu wirken. Gerne würde ich mal auf einem der kleinen Pariser Balkonen frühstücken und dabei dem Trubel der Straßen zu gucken oder den Stuck am gegenüberliegenden Haus bewundern.

Abends, wenn wir zurückkommen, liegt das, was keiner haben möchte immer noch auf dem Gehweg. „Das solltet ihr fotografieren und an eure Familie schicken — nicht den Tour Eiffel!“, scherzt Nath. „Lieber nicht“, erwidert Alena schnell.




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